blue prints

Textile and window’s prints.

During my studies in “La villa Arson” (France) I learned by myself how to dye with plants. Among others, I used to dye with the fascinating and difficult Indigo. Blue became a theme as well as windows. In Munich art academy I started to dye the fabrics in photosensitive materials.

I made a serie of windows’ print with the ancestral and well known: blue print. Turning my exhibition´s rooms into a photographic black box, I used to climb in the complete darkness in order to wrap the windows with textile and wait for the day to come, catching some windows’ prints  with the first rays of light.

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Dr.Katrin Dillkofer

Garance Arcadias macht die Magie des Faktischen sichtbar. Sie erprobt traditionelle Techniken wie beispielsweise das Färben von Stoffen, das sich seit hunderten von Jahren unabhängig von den exakten wissenschaftlichen Forschungen der Chemie entwickelte. Sie stößt bei den Erkundungen alter Handwerks- und Produktionstechniken auf die faszinierenden Verwandlungsvorgänge ursprünglicher Naturstoffe, die sich unter den physikalischen Bedingungen unserer Erde in einem bestimmten Zeitintervall ereignen. [Seit dem Mittelalter weiß man um die Möglichkeit, aus der Asche verbrannten Holzes eine seifenähnliche Waschpaste herzustellen. Garance Arcadias bringt diese alte Weisheit in eine performative Versuchsanordnung, indem sie die schwarze Asche sowohl zum Bleichen als auch zum Fixieren eingefärbter Stoffe verwendet. Gegensätze werden in den Installationen der Künstlerin in einem Kreislauf aus Werden und Vergehen vereint. Einerseits assoziieren diese Arbeiten alchemistisch-magische Materialtransformationen, andererseits reflektieren sie ganz nüchtern die Endlichkeit menschlichen Lebens: Asche zu Asche, Staub zu Staub.]

Bei der abgebildeten Arbeit handelt es sich um eine von Garance Arcadias maßstabsgetreuen Cyanotypien, die sie im Hinblick auf ihre Herstellung mit Sonnenbrandt betitelt. In diesem Beispiel hat sie die Ausstellungshalle im Städtischen Atelierhaus am Domagkpark kurzzeitig in eine Dunkelkammer verwandelt. Stoffbahnen, die exakt den Maßen der Fensterfront entsprechen, tränkt sie in lichtempfindlichen Chemikalien, hängt diese vor der verdunkelten Fensterfront auf – alles in absoluter Dunkelheit – und lässt dann für etwa 20 Minuten die Stoffbahnen belichten. Anschließend werden die Textilien ausgewaschen und zum Trocken aufgehängt, wobei sich die lichtdurchlässigen Passagen auf dem Fenster in cyanblauer Färbung abzeichnen. Das Resultat dieses performativen Cyanotypie platziert Garance Arcadias auf der gegenüberliegenden Wand. Die Architektur der Fensterfront wird so im Ausstellungsraum präsent. Die Künstlerin spielt hierbei mit dem Sinnbild der Malerei – dem ›Fenster‹ als Denkfigur. Seit der Renaissance erkannte die Bildkunst ihre Hauptaufgabe darin, die äußere Wirklichkeit bestmöglich nachzuahmen – wie bei einem Blick aus dem Fenster. Garance Arcadias setzt dem illusionärem Credo den realen Abdruck des Fenstergerüsts im himmelblauen Cyan entgegen und beantwortet die Frage, wie die Wirklichkeit auf einer Leinwand darzustellen ist mit einem säkularen ›vera icon‹ – wie dem Schweißtuch der Veronika, auf dem sich das Antlitz Christi abzeichnete.

Katrin Dillkofer, Frei Kuratorin, 2015